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Gemeinsam handeln verbindet.

Online und vor Ort

Die Lage

Kooperation wird gewöhnlich vom Ort her gedacht. Man arbeitet zusammen, weil man im selben Büro sitzt, am selben Tisch, in derselben Stadt. Online erscheint dann als das, was übrig bleibt, wenn der Ort fehlt. Diese Sicht verkennt, was einen Ort überhaupt zu einem gemeinsamen macht.

Online als Erkenntnisfall

Menschen, die jahrelang im selben Gebäude arbeiten, arbeiten deshalb noch nicht zusammen. Und Menschen, die nie im selben Raum waren, können ein Werk schaffen, das sie verbindet. Den gemeinsamen Ort stiftet das gemeinsame Handeln, nicht die räumliche Nähe.

Vor Ort ist das schwer zu sehen, weil der Raum so viel mitliefert: die Begegnung auf dem Flur, das gemeinsame Mittagessen, das Gefühl, dazuzugehören, weil man da ist. Online fällt das Mitgelieferte weg. Übrig bleibt, was die Beteiligten tatsächlich verbindet: der gemeinsame Zweck, die eingehaltenen Zusagen, die Anerkennung der Beiträge, die Freude am gemeinsamen Gelingen. Online ist deshalb der Fall, an dem man erkennt, was Kooperation ausmacht. Die Kooperation vor Ort ist der Vergleichsfall.

Wer über Monate jede Woche mit einer Lehrerin in einem anderen Land eine Sprache übt, erfährt nebenbei mehr von ihrem Alltag als von dem mancher Kollegen im Nebenzimmer.

Was online besonders gut gelingt

Online gelingt besonders gut, was von klar umrissenen Beiträgen lebt: Vorbereitung, Recherche, das Schreiben und Durchsehen von Texten, die Arbeit an einem gemeinsamen Dokument, Umfragen und Auswertungen. Hier ist die Ruhe des eigenen Arbeitsplatzes ein Vorteil, und der gemeinsame Arbeitsraum macht jeden Stand für alle sichtbar.

Online gelingt auch, was vor Ort an Wegen und Kosten scheitern würde. Eine Fachfrau aus einem anderen Land kommt für eine Stunde hinzu. Ein Lesekreis versammelt Menschen aus mehreren Kontinenten. Eine kleine Gruppe, deren Zusammensetzung wechselt, trifft sich, ohne dass jemand reisen muss. Wer wegen Krankheit, Pflege oder einer Behinderung nicht reisen kann, ist selbstverständlich dabei. Wege spielen keine Rolle mehr, und kein Sitzungssaal ist zu klein. Dafür wird die Zeit wichtiger: Eine Gruppe in fünf Zeitzonen hat vielleicht eine gemeinsame Stunde am Tag.

Schließlich hinterlässt die Zusammenarbeit online Spuren: Entwürfe, Kommentare, Entscheidungen mit Datum. Das macht sie nachvollziehbar und, wenn es darauf ankommt, belegbar.

Was vor Ort besonders gut gelingt

Vor Ort gelingt besonders gut, was von Dingen lebt, die man in die Hand nehmen muss: ein Werkstück prüfen, ein Modell bauen, ein Material auswählen, ein Gerät bedienen, das nur an einem Ort steht. Hier ist der Ort keine Gewohnheit, sondern Teil der Sache.

Vor Ort gelingt auch das Beiläufige leichter: das kurze, ungeplante Gespräch, der Zufall, der zwei Menschen zusammenbringt, die einander sonst nicht gesucht hätten. Online lässt sich Raum dafür schaffen, etwa durch offene Zeiten ohne Tagesordnung oder durch gemeinsames Spiel. Aber es muss gewollt werden.

Und manche finden sich vor Ort leichter ein, etwa wer neu in eine Gruppe kommt und ihre ungeschriebenen Regeln noch nicht kennt. Das ist kein Einwand gegen online, wohl aber ein Grund, den Einstieg online besonders sorgfältig zu gestalten: mit einer festen Ansprechperson, mit Zeit für Fragen und mit ersten Treffen, die nicht nur der Arbeit dienen.

Hybride Formen

Die meisten Kooperationen sind weder nur online noch nur vor Ort. Hybrid kann zweierlei heißen.

Zum einen der Wechsel über die Zeit: ein Auftakt vor Ort, die Zusammenarbeit online, ein Treffen zum Abschluss oder zum Jahrestag. Das ist meist unproblematisch und oft eine gute Verbindung. Am meisten bringt ein solches Treffen, wenn es dem dient, was online schwerer gelingt: dem Beiläufigen.

Zum anderen die hybride Sitzung, in der einige im Raum sitzen und andere online dabei sind. Sie ist anspruchsvoller als jede der beiden reinen Formen, weil die Anwesenden im Raum die anderen leicht vergessen. Hier hilft eine einfache Regel: Die Sitzung wird so geführt, als wären alle online. Die Moderation achtet zuerst auf die Wortmeldungen von außen, der Ton aus dem Raum ist so gut wie der eigene, und Unterlagen liegen im gemeinsamen Arbeitsraum statt auf dem Tisch.

Der häufige Fehler

Die hybride Sitzung, die wie eine Sitzung vor Ort geführt wird. Die im Raum reden miteinander, die Zugeschalteten hören zu und schalten nach zwanzig Minuten die Kamera aus. Am Ende haben die entschieden, die im Raum saßen.

Recht

Das Recht lässt beide Formen zunehmend zu. Mitgliederversammlungen eines Vereins können hybrid oder virtuell stattfinden (§ 32 Abs. 2 BGB), Gerichte können mündlich per Bild- und Tonübertragung verhandeln (§ 128a ZPO). Wo Beschlüsse gefasst werden, kommt es auf die jeweilige Rechtsform an (Beschließen und Versammeln). Wo Menschen aus mehreren Ländern zusammenarbeiten, stellt sich die Frage des anwendbaren Rechts (Über Grenzen).

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