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Gemeinsam handeln verbindet.

Konflikt

Wo in einer Kooperation kein Konflikt ist, hat oft einer aufgehört, eigene Ziele zu haben. Es kommt darauf an, ob der Konflikt die Beteiligten als Partner bestehen lässt.

Konflikt als Normalfall

Wer Kooperation für den Zustand ohne Konflikt hält, wird von jedem Streit überrascht. Die Ethnologie sieht es nüchterner. Julia Eckert fasst die Konflikttheorie Georg Elwerts so zusammen: Konflikt sei nicht Ausnahme, nicht irrationales oder emotionales abweichendes Verhalten und auch nicht notwendig destruktiv, sondern „Grundmerkmal jedes menschlichen Zusammenseins“ [Zitat prüfen].

Das folgt auch aus dem, was Kooperation ist. Wenn die Ziele der anderen zur Form der eigenen werden (siehe Was Kooperation ist), dann reiben sich die Ziele ständig aneinander. Wo sie es nicht tun, arbeitet man oft nur nebeneinander her.

Elwert hat außerdem unterschieden, wie Gesellschaften Konflikte austragen: durch Gewalt, durch Meidung oder durch Verfahren [prüfen]. Die Unterscheidung ist auch für kleine Kooperationen hilfreich. Ein Team, das Konflikte weder offen austrägt noch einem Verfahren anvertraut, wählt die Meidung, meist ohne es zu merken.

Konflikt und Anerkennung

Hinter vielen Sachkonflikten steht eine andere Frage: Zählt mein Beitrag? Wer um die Verteilung von Aufgaben streitet, will oft wissen, ob er gebraucht wird. Wer auf einer Formalie besteht, will oft nur, dass seine Stellung anerkannt wird.

Hegel hat Anerkennung als Kampf beschrieben, Honneth spricht vom Kampf um Anerkennung (siehe Anerkennung). Man muss beide nicht in allem teilen, um den praktischen Kern zu sehen: Ein Konflikt, in dem die Anerkennungsfrage unbeantwortet bleibt, kehrt wieder, auch wenn die Sachfrage gelöst ist. Die Mediation trägt dem Rechnung, indem sie hinter den Positionen nach den Interessen und Bedürfnissen fragt.

Produktiv oder zerstörerisch

Ein Konflikt ist produktiv, wenn er um die Sache geht und die Beteiligten dabei Partner bleiben. Er zeigt dann, dass sich etwas verändert hat, dass aus dem Nagel eine Schraube geworden ist und die gemeinsame Ordnung angepasst werden muss. Am Ende steht eine Kooperation, die besser zu ihrer Wirklichkeit passt als vorher.

Zerstörerisch wird ein Konflikt, wenn er von der Sache auf die Person übergeht, wenn es nicht mehr um die Lösung geht, sondern um das Recht behalten, und schließlich darum, dem anderen zu schaden. Friedrich Glasl hat diesen Weg in neun Stufen beschrieben, die mit Verhärtung und Debatte beginnen und mit „Gemeinsam in den Abgrund“ enden. Bis zur dritten Stufe können beide Seiten noch gewinnen, danach nur noch eine, am Ende keine.

Dabei geht das gemeinsame Dritte verloren. Die Beteiligten schauen nicht mehr gemeinsam auf eine Sache, sondern nur noch aufeinander.

Konflikt online

Online verändern sich zwei Dinge.

Schrift ohne Stimme. Viel Kommunikation online ist geschrieben. Einer Nachricht fehlen Tonfall, Blick und Pause, und der Leser ergänzt sie aus seiner eigenen Stimmung. Kritik, die mündlich als sachlich angekommen wäre, liest sich schriftlich oft schärfer. Ein freundlicher Nachsatz im Gespräch ist in der E-Mail nur ein weiterer Satz.

Tempo. Online kann man sofort antworten, auch in der ersten Wut. Ein Streit kann in einer Nachrichtenkette nachts eskalieren, während die Hälfte der Beteiligten schläft und am Morgen vor vollendeten Tatsachen steht. Umgekehrt gibt die asynchrone Kommunikation Zeit zum Abkühlen, wenn man sie nutzt.

Wer das weiß, wechselt vom Text zur Stimme, sobald es heiß wird. Und wer eine scharfe Antwort geschrieben hat, schickt sie besser erst am nächsten Morgen ab (siehe Synchron und asynchron).

Ein Beispiel

Ein Projektteam arbeitet in drei Ländern zusammen. Eine Frist wird verpasst, und in der gemeinsamen Nachrichtengruppe beginnt eine Diskussion darüber, wer schuld ist. Die Beiträge werden länger und schärfer, einzelne Sätze werden zitiert und gegen ihren Verfasser gewendet. Zwei Mitglieder schweigen ganz.

Die beiden, die schweigen, haben Elwerts zweiten Weg gewählt, die Meidung. Die Wende kommt, als jemand ein Verfahren vorschlägt, wenn auch ein kleines: die Diskussion in der Gruppe zu beenden, sich am nächsten Tag für eine halbe Stunde live online zu sehen und zuerst die beiden sprechen zu lassen, die geschwiegen haben. Damit hat der Streit einen Ort und eine Reihenfolge. Wäre die Nachrichtenkette noch zwei Tage weitergelaufen, hätten die beiden wohl als Erste aufgehört mitzuarbeiten, und niemand hätte darin einen Konflikt gesehen.

Was das für das Recht bedeutet

In Elwerts Unterscheidung steht das Recht auf der Seite des Verfahrens, gegen Gewalt und gegen Meidung. Gegen die Meidung hilft es allerdings nur, wenn jemand das Verfahren in Gang setzt.

Für eine Kooperation heißt das: Das Verfahren für den Konfliktfall sollte vereinbart werden, solange kein Konflikt besteht. Eskalationsklauseln legen fest, wer wann mit wem spricht. Die Mediation (Mediationsgesetz) hilft den Beteiligten, selbst eine Lösung zu finden. Das Schiedsverfahren und das staatliche Gericht entscheiden, wenn sie es nicht können. Alle drei lassen sich auch online führen.

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